Tages Archiv für Donnerstag, 18. Juni 2009

Becks´ Blog

Akt 4

…über bittere letzte Minuten

Es gibt Spiele, die so unglaublich schlecht sind, dass sie einfach keinen Sieger verdient haben. Spiele ohne Spannung, ohne Emotionen und ohne jegliche Ansätze von spielerischen Elementen. Es gibt Spiele, die an Spannung und Emotionen kaum zu überbieten sind und technisch und taktisch auf einem guten Niveau stattfinden – und die auch keinen Sieger verdient haben. Zu dieser Kategorie darf man unser Spiel in Vilkerath zählen.
Wenn dann in der letzten Aktion eines Spiels, nach einer Aneinanderkettung von geschätzten 2346 unglücklichen Umständen, die sich innerhalb der letzen drei Minuten zugetragen haben, doch noch das alles entscheidende Tor fällt, dann ist das einfach unglaublich bitter – wenn man zu der Mannschaft gehört, in dessen Netz der Ball gekullert ist.

Es folgt der Original-Radiokommentar des Stadionreporters Herner Wansch. Ich möchte alle Leser mit Herz – Kreislauf – Störung aufs Schärfste ermahnen, den folgenden Abschnitt unbeachtet zu lassen und mit dem nächsten Kapitel fortzufahren!

… es läuft die 90. Spielminute liebe Zuhörerinnen und Zuhörer an den Rundfunkempfangsgeräten. Was sich hier gerade abspielt, ist mit bloßen Worten kaum wiederzugeben. Ein harmlos erscheinender Ball der Vilkerather wird nach Abstimmungsproblemen in der SSV-Abwehr doch noch gefährlich und Keeper Becker der Teufelskerl, (Anm. der Red.: oh ja!) muss Kopf und Kragen riskieren um die Situation zu entschärfen. Kopf und Kragen scheinen unversehrt geblieben zu sein, doch um das Schienbein des armen Kerls scheint es nicht gut zu stehen. Er liegt nach einem Zusammenprall mit Jens Weißbrot, dessen Bein hingegen härter zu schein scheint, als der Name vermuten lässt, vom Schmerz betäubt auf dem Boden. Eigentlich unmöglich, dass er weiterspielen kann, aber die Overather haben keinen zweiten Torhüter auf der Bank…aber es geschieht Unfassbares meine Damen und Herren. Er berappelt sich und scheint das Spiel fortsetzen zu wollen. Ob das gut geht? Vielleicht zeigt der Schiedsrichter sich gnädig und pfeift das Spiel ab, eine Minute sind wir mittlerweile über der Zeit (…)

…die 93. Minute, noch macht der Schiri keine Anstalten abzupfeifen. Vielleicht der letzte Angriff der Vilkerather, der Ball kommt in den 16er, wird noch mal abgewehrt, aber die zweite Welle rollt an, René Müller am Ball, er schießt, soll das ein Schuss sein?, aber was ist das…alle scheinen auf dem falschen Fuß erwischt worden zu sein und Tooooooooooooooor, Tooooooooooooor, Toooooooooooor Toooooooooor!!! GIBT ES DENN KEINE GERECHTIGKEIT MEHR, NICHT MAL MEHR AUF DEM FUßBALLPLATZ? (…)

…Abpfiff, der Schiri pfeift ab sehr verehrte Zuhörer, er pfeift das Spiel ab! Unfassbares hat sich abgespielt, die Vilkerather siegen mit 1:0 und liegen sich in den Armen…die Overather sind völlig konsterniert…hätte sich Daniel Becker nach dem Zusammenprall nur auswechseln lassen, den Ball hätte eine ausgewachsene Ameise ohne Probleme aufgehalten (…)

…liebe Leute, ich brauch en Kaffee und gebe zurück in die Rundfunkzentrale.“

…und 1 ½ neue Schnapper…

Ein dramatischer Tag also, der 26.10.2008. Für mich ging er im Krankenhaus weiter. Diagnose: unklar. Aber für den Fall, dass es ein Bruch sei, gipse mich der Herr Doktor (der meiner Meinung nach das Schild auf dem Kittel geklaut hatte und wahrscheinlich im wahren Leben einen Kiosk betreibt und in seiner Freizeit am Strand Sand sammelt) doch pro forma lieber mal ein – komplett. Mit meinen zwei neuen Freunden, Krücke 1 und Krücke 2, gings nach Hause auf die Couch zum entspannten Bein(e) hochlegen. Ohne endgültige Diagnose war aber trotzdem klar. Im nächsten Heimspiel brauchte es einen neuen Schnapper. Obis Stunde hatte geschlagen!

Im Spiel gegen NK Croatia am 02.11.08 stand also das Phantom Christoph Wendeler im Tor. Am Trainingsplatz kaum anwesend, aber da wenn man ihn braucht. Zum Einstand gab es einen 3:2 Sieg und die Niederlage gegen Vilkerath tat, aus tabellarischer Hinsicht, nicht mehr ganz so weh.

Unglücklicherweise musste Meisteranwärter Obelix aus Prüfungsgründen seine Teilnahme am nächsten Spiel in Kürten absagen und meine Genesung bis dahin schien äußerst unwahrscheinlich. Ein Bruch war zwar so gut wie ausgeschlossen worden und nach Absprache mit meinem Gewissen und meinem so unglaublich juckenden verletzten Bein, hatte ich den Gips in Eigenverantwortung abgenommen. Aber die Prellung war immer noch unglaublich schmerzhaft und ans Spielen war eigentlich nicht zu denken.

Gut, dass wir einen Spieler in unserem Kader haben, der so flexibel ist wie ein frisch gekautes Hubba - Bubba Kagummi. Pocke Stellmach, seines Zeichens linker und rechter Flügelflitzer, Teilzeit-Libero, zentrale Schaltstelle im defensiven Mittelfeld, Möchtegern-Stürmer und von Trainer Rabet immer wieder liebevoll als „weißer Büffel“ tituliert, wurde kurzfristig zum Torwart umfunktioniert. Unglaublich wohltuend für mich seine Aussage nach dem ersten Torwart-Training: „Leck mich am A****, ist das anstrengend.“ Ach was…!

Wer ein Fuchs ist hat bemerkt, dass Obelix Wendeler hier als erster „neuer Schnapper“ vorgestellt wurde. Mein Freund Pocke sei hier als „neuer Schnapper“ Nr. 1 ½ bezeichnet. Nicht, weil er nur halb so gut gehalten hätte, ganz im Gegenteil; vor allem im Training gab es die ein oder andere Flugshow und wenn nicht als Miezekatze, so hätte man ihn doch zurecht zumindest als - jetzt fällt mir doch nicht ein, wie sich frisch geschlüpfte Katzen nennen, also gerade geborene meine ich. Bei Hunden sind es Welpen und bei Katzen? Wie auch immer – zumindest den Namen hätte Pocke verdient gehabt. Ein frisch geborenes Kätzchen, das einmal ein großer und starker Schnapper wird.

Aber genug von diesem kleinen Exkurs in die Raubtierwelt. Leider sprachen die Fakten gegen unsere Mannschaft. Zur Halbzeit lagen wir mit 0:3 hinten und in meinem Körper sammelte sich plötzlich so viel Adrenalin, dass ich den Schmerz in meinem Bein kaum noch spürte. Nach geleisteter Überzeugungsarbeit bei den Trainern, ich sei nun doch einsatzbereit, zog ich mich um und stand in der 2. Halbzeit wieder im Tor. Pocke: Es tut mir noch immer sehr leid, dass ich dich überhaupt in diese Situation gebracht habe.Die Mannschaft merkte nun, dass sie im Rückwärtsgang nun wieder die gewohnte Visage im Tor sahen und auch der semi-Torhüter gab uns mehr Sicherheit auf seinem angestammten Platz – auf dem Feld. Auf 2:3 kamen wir noch ran, ein Punkt oder mehr war uns aber leider nicht vergönnt.
Die Punktesammelei, ein elementarer Bestandteil eines auf Ab- und Aufstieg basierenden bundesweiten Tabellensystems, fiel uns ohnehin in den folgenden MONATEN erheblich schwerer als gewünscht. Aber „…über letzte Siege“ „…und eine jahreszeitenübergreifende Misere“ berichtet Akt 5 des Saisonrückblicks 2008/2009.