Die Saison 2008/2009 der 1. Seniorenmannschaft des SSV in der Kreisliga B:
Ein Rückblick
…über das Vorspiel
Es ist schwierig, einer Vereinsabteilung, die einmal das Aushängeschild einer Stadt war, neues Leben einzuhauchen, nachdem sie sich selber in den Ruin getrieben hat. Es ist umso schwieriger genau das zu schaffen, wenn die „glorreichen Zeiten“ noch nicht allzu lange zurück liegen und sich jeder an große Siege zu Landesliga-Zeiten erinnern kann. Doch die Erinnerungen daran werden stets von den Gedanken an den beispiellosen Abstieg der Fußballabteilung des Vereins in die Bedeutungslosigkeit getrübt, der mit dem sportlichen Abstieg der 1. Seniorenmannschaft aus der Landesliga seinen Anfang nahm und weite Kreise zog. Dachte man, der Boden sei erreicht und ein weiterer Abfall sei kaum mehr möglich, wurde man schnell eines besseren belehrt. Neue Aufbauversuche scheiterten teilweise kläglich, der Verein trug große Imageschäden davon. Die Fußballabteilung wackelte wie ein schwer angeschlagener Boxer. Manche mögen sagen, der Boxer sei sogar zu Boden gegangen. Viele Overather Fußballanhänger wandten sich vom Verein ab, suchten ihr Glück zum großen Teil in Nachbarvereinen - und fanden es oft.
Somit gab es einige Menschen, die verpassten, dass der gefallene Boxer aufstand, bevor er ausgezählt wurde und, um die Boxmetapher bis auf den letzten Tropfen auszupressen, sie verpassten, dass er weiter kämpfte.
Seit einigen Jahren nun, unter der Führung von Mike Hausberg, begann sich der Fußball-SSV von seinen Blessuren zu erholen. Wichtige Posten wurden neu besetzt, der Vorstand rehabilitiert, neue Sponsoren an Land gezogen. Die Jugendarbeit blühte wieder auf (auch wenn sie nicht ganz so schwer vom „Untergang“ betroffen war) und vor allem im Seniorenbereich wurden neue Wege eingeschlagen und richtungsweisende Entscheidungen getroffen.
Jedes Jahr wagte man sich einen weiteren kleinen Schritt nach vorne. Und um den Blick nun auf die „neue“ 1. Seniorenmannschaft zu leiten: Man spielte wieder erfolgreich. In der zweitniedriegsten deutschen Spielklasse zwar, aber unter der sportlichen Leitung von Gero Rolfes und Ralf Tillenburg kratzte man zwei Jahre lang am Aufstieg in die Kreisliga B, scheiterte aber denkbar knapp. Rückblickend betrachtet lag aber vielleicht auch hier, wie so oft, in der Niederlage der größte Erfolg. Trotz des verpassten Aufstieges, und das gleich zweimal hintereinander, blieb die Mannschaft zusammen und schaffte in der Saison 07/08 endlich den Weg nach oben. Allen war klar, dass man gemeinsam den Klassenerhalt in der B-Klasse angehen wollte. Zu dem neuen Trainerteam Rabet/Kleemann gesellten sich zu Saisonbeginn punktuelle Verstärkungen (die sich sowohl fußballerisch als vor allem auch menschlich wirklich als solche herausstellen sollten) und mit Anfang der Vorbereitung war man allseits der Meinung: Die Truppe wird das Ding schon drehen.
Dass der erlösende Jubelschrei zum geschafften Verbleib in der Spielklasse erst am letzten Spieltag aus den Kehlen entlassen werden durfte, glaubte zu Anfang der Saison niemand. Genau dieses Szenario aber nahm während der Saison eine immer klarere Gestalt an, doch lehnte so gut wie jeder im Mannschaftsumfeld die Abstiegsvorstellungen strikt ab.
Genau hier muss meiner Meinung nach kritisch angesetzt werden. Jeder, Spieler sowie Trainer, Betreuer und einzelne Personen im Umfeld, muss sich fragen: Habe ich wirklich nur versucht, eine positive Denkweise an den Tag zu legen oder habe ich lange Zeit die Augen vor der Realität verschlossen? Wer ehrlich zu sich selber ist, wird schnell eine ernüchternde Antwort finden. Schönrederei dient einzig zur Gewissensberuhigung, bietet aber keinen Lösungsansatz zu offensichtlich vorliegenden Problemen. Mit dem Last-Minute Klassenerhalt konnte zum Glück ein erneuter Rückschlag verhindert werden. Denn klar ist: Die ersten Schritte zur vollständigen Genesung sind gemacht, aber man sollte sich immer wieder bewusst machen: Man steht noch immer auf wackeligen Beinen, längst sind nicht alle Blessuren verheilt. Dies sollte auch gerade in einer Stunde des Erfolges deutlich gemacht werden.
Ebenso wichtig zu betonen ist aber auch, dass die Mannschaft sich durch den Sieg im letzten Spiel gegen den SV Thier selbst die Chance gegeben hat, zur weiteren Kollektiv - Genesung beizutragen.
Wie es zu dieser Ausgangslage kam, soll in 8 Akten erzählt werden, deren Unterteilung sich auf die Geschehnisse im Spielbetrieb der abgelaufenen Saison bezieht. Einem ernsten und kritischen Vorspiel soll dann mit lachendem und weinendem Auge ein Rückblick auf die Spielzeit 2008/2009 folgen, auf Erfolge, Probleme, vertane Chancen und mit Sicherheit auf einige Kuriositäten…